Kleiderschrank des Mannes
 

 
Bundestagsabgeordneter besucht die „gelben Engel“ der Landwirtschaft

Großweitzschen. Armin Kunze wurde schon manchmal angesprochen: „Du hast so viele Mähdrescher auf dem Gelände stehen, du musst ja reich sein.“ Auch Peter Jahr, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Döbeln-Mittweida-Meißen II, möchte seine Begeisterung gestern nicht verbergen: „Das ist der Kleiderschrank des Mannes“, frohlockte der Politiker beim Anblick der Traktoren. Doch interessierte sich der Politiker zugleich für die Wünsche des Betriebes an die Politik. „Das ist das erste Mal“, freute sich Armin Kunze, Betriebsleiter der B&K Agrartechnik-Service Sachsen GbR.

1994 wurde der Betrieb an der Landstraße bei Großweitzschen gegründet, mit vier Kollegen. Heute liegt die Zahl der Mitarbeiter bei 13 „und wir können insgesamt sofort vier weitere einstellen“, sagt Dr. Marcus Bertelsmeier. Er und Vater Bernhard sind die Gesellschafter. Ist der Standort in Großweitzschen auf Service programmiert, steht der Mutterbetrieb in Ebersbach, 20 Kilometer nördlich von Dresden. Bei Pirna und Bautzen unterhalten die Unternehmer zwei weitere Filialen. „Spruchreif ist noch nichts, wir denken jedoch über einen weiteren Standort nach“, so Marcus Bertelsmeier. Die Expansionspläne zur Zeit betreffen den Ausbau, besonders personell, der bestehenden Filialen: gesucht werden Verkaufsberater im Außendienst und Landmaschinenschlosser. „Der Fachkräftemangel“, befürchtet Dr. Marcus Bertelsmeier, „wird als Problem noch zunehmen, das merken wir schon jetzt.“ Nicht zuletzt deshalb habe die Firma von Beginn an auf die Ausbildung für den Eigenen Bedarf gesetzt. „Allerdings ist sie mit dreieinhalb Jahren verdammt lange“, beklagt Armin Kunze. Er und Dr. Marcus Bertelsmeier regten gegenüber Peter Jahr an, in einer zweieinhalbjährigen Lehre die Basis zu schaffen und mit markenspezifischen Lehrgängen in die Tiefe zu gehen. Die Monteure der Agrartechnik-Service Sachsen besuchen freilich bis zu vier Wochen im Jahr Schulungen, um mit der Technik Schritt zu halten. Peter Jahr, selbst Diplom-Landwirt, bestätigte: „Landwirtschaft ist Hightech.“ Und für hochwertiges Korn brauche es eben auch Technikbetriebe wie jene in Großweitzschen, deren Angestellte – so ähnlich wie der ADAC – bei Bedarf aufs Feld fahren, um die Technik wieder flott zu machen. „Abschleppen können wir den Mähderscher allerdings nicht“, schmunzeln die Unternehmer.

Wenn es den Landwirten – zum Beispiel infolge gestiegener Preise – besser geht, spürten das auch sie. „In der Regel investieren Landwirte das Geld, das sie verdienen. Der Biogas-Boom ist abgeflacht, jetzt stecken sie ihr Geld zunehmend in Technik oder aber kaufen Land, um sich unabhängig von Pachtflächen zu machen“, sagt Marcus Bertelsmeier. Er wünscht sich glattere Wogen in der Agrarpolitik, um den Landwirten zumindest bis 2013 Planungssicherheit zu geben. Wichtig sei zudem, die Straßenverkehrsordnung für Fahrzeuge mit einer Arbeitsbreite zwischen drei und dreieinhalb Metern zu entbürokratisieren. Das Land Niedersachsen habe gezeigt, wie das geht.


Döbelner Allgemeine, Samstag 03.11.07
 


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